Vom European Campus in den Arbeitsmarkt
In zehn englischsprachigen Studiengängen bildet der European Campus der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) akademische Fachkräfte aus. Bereits während seines Master-Studiums „Healty an Sustainable Buildings“ (gesundes und nachhaltiges Bauen) arbeitete der Bachelor Sherif Gwelly (31) für die IGK Ingenieurgesellschaft Klein in Pfarrkirchen. Seit nunmehr gut sechs Jahren kümmert sich der mittlerweile eingebürgerte Tragwerksplaner für das ortsansässige Unternehmen bei Bauprojekten um die Statik.
Zwei breite Bildschirme leuchten Sherif Gwelly an. An seinem Schreibtisch mit Fenster zur Passauer Straße 101 kümmert er sich um anfallende statische Berechnungen – vom Einfamilien- über das Mehrfamilienhaus bis zu industriellen Hallen. So plante er das Tragwerk für die drei im Bau befindlichen Mehrparteienhäuser in der Graf-von-Geldern-Straße (Zieglstadl) oder ein Wacker-Laborgebäude in Burghausen. Zu seiner täglichen Arbeit zählt, den geltenden Eurocodes und teils noch strengeren DIN-Normen fürs Bauwesen stets Rechnung zu tragen. „Das Abnehmen der Bewehrung mache ich direkt auf der Baustelle“, so Gwelly. Unterm Strich gefällt ihm an seinem Beruf, „dass sich die fertigen Ergebnisse sehen lassen können“.
Voll des Lobes zeigt sich IGK-Geschäftsführer Theodor Klein: „Herr Gwelly ist ein engagierter und geschätzter Tragwerksplaner, dessen Arbeit die Anforderungen an die Standsicherheit von Bauwerken zuverlässig erfüllt“, sagt der Kopf des Ingenieurbüros mit Stammhaus in Pfarrkirchen und Zweigstellen in München, Frankfurt und Berlin.
Angebot am European Campus überzeugt
Zur Karriere des Statikers: Seinen Bauingenieur-Bachelor erwarb Sherif Gwelly bereits vor acht Jahren an der englischsprachigen ASU-Universität in Kairo. Im Anschluss daran arbeitete er zwei Jahre lang in der ägyptischen Hauptstadt als Tragwerksplaner. Bei seinem Bestreben, internationale Erfahrungen zu sammeln, überzeugte ihn das Studienangebot zum nachhaltigen Bauen am European Campus. Gwelly: „Deutschland bietet viel. Die Studiengebühren sind nicht hoch, und speziell am European Campus wird Englisch gesprochen.“ Darüber hinaus könne man hier während und nach dem Studium Arbeit finden. „In Deutschland zählt die Qualifikation, in Ägypten braucht man auch gute Kontakte“, weiß Gwelly.
Beruflich läuft alles in geordneten Bahnen. Allerdings forderte die Arbeitssuche bei regionalen Ingenieurbüros nach seiner Ankunft in Deutschland vor sechs Jahren heraus. „Bei IGK habe ich mich sogar zweimal beworben, bis es nach drei Monaten geklappt hat“, erinnert sich Sherif Gwelly. Mithilfe seines Arbeitgebers und durch verbindliche Kurse am European Campus trieb er das Deutschlernen voran. Studierenden und Absolventen, die derzeit einen Job suchen, gibt er mit auf den Weg: „Wichtig ist, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln und die Hoffnung nie zu verlieren.“ Gute Deutschkenntnisse tragen ihm zufolge nicht nur zum Erfolg am Arbeitsmarkt bei, sondern auch zu einem entspannten Leben.
Seit einem Jahr freut sich der aus Ägypten stammende Statiker über seinen deutschen Pass: „Jetzt muss ich meinen Aufenthaltstitel nicht mehr verlängern, und das Reisen ist einfacher“, so Sherif Gwelly. Gerne arbeitet und lebt er in Pfarrkirchen und findet: „Hier geben mir die Menschen das Gefühl, dass ich daheim bin.“ Zugleich schätzt die Fachkraft „das gute System des deutschen Staats, etwa im Gesundheitswesen oder bei der Rente“. Darüber hinaus trägt er gerne seinen Teil zum „Green Deal“ bei, dem Aktionsprogramm der Europäischen Union für den ersten klimaneutralen Kontinent.
Auch mit dem European Campus bleibt der Ingenieurwesen-Master in Kontakt. Bei der diesjährigen Jobmesse am 28. Oktober, dem so genannten TalentConnect, wirbt Sherif Gwelly an einem Stand erneut für seine Firma. Schließlich werden gut ausgebildete Fachkräfte in einem Ingenieurbüro immer gebraucht.
Volkswirtschaftliche Aspekte
Studien belegen den volkswirtschaftlichen Nutzen ausländischer Studierender. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln) geht davon aus, dass der Nettoertrag für die öffentliche Hand bei einer mittleren Bleibequote pro Kopf fast 196.000 Euro beträgt (hohe Bleibequote: knapp 330.000 Euro; niedrige Bleibequote: gut 93.000 Euro). Laut IW liegt der langfristige fiskalische Nettogesamteffekt selbst unter pessimistischen Annahmen bei mehr als dem Doppelten der Ausgaben für die Studienplätze.
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Essen) stellt fest: Dass die MINT-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) unter ausländischen Studierenden besonders beliebt sind, verringert den Fachkräftemangel in Deutschland. Prof. Dr. Knut Petzold (Görlitz) weist darauf hin: „Die starke Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften im deutschen Arbeitsmarkt wird sich im Zuge des demographischen Wandels spätestens mit dem Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge noch deutlich verstärken.“